Der Einstieg in Automatisierung und KI im CAD

Alle reden von KI, und im eigenen Betrieb läuft vieles noch von Hand. Der Druck, endlich etwas zu automatisieren, ist da, nur führt der Weg über das Chatfenster meistens ins Leere. Der Beitrag zeigt, welche Voraussetzungen im Datenbestand erfüllt sein müssen und in welchen vier Schritten der Einstieg gelingt.

Überall ist von KI die Rede, und in jeder Geschäftsleitung stellt sich inzwischen dieselbe Frage. Wie lässt sich das im eigenen Betrieb nutzen? Andere melden Produktivitätsgewinne, hier läuft vieles noch von Hand. Da muss doch etwas gehen. Nur wo fängt man an?

Die verbreitete Antwort lautet, man solle KI einfach ausprobieren. Ein Chatfenster öffnen, die Aufgabe beschreiben, und das Ergebnis kommt zurück. Bei CAD-Arbeit führt dieser Weg zuverlässig in die Enttäuschung. Der Grund liegt in dem, was der KI im Betrieb vorgelegt wird.

Standards als Voraussetzung für Automatisierung

Blöcke, externe Referenzen, Attribute und Datenextraktion sind kein Grundlagenwissen. Sie sind die Stufe zwischen dem Zeichnen und der Automatisierung, und sie muss erarbeitet sein, bevor KI überhaupt ansetzen kann. Der Sprung von den Grundlagen direkt in die Automatisierung gelingt nicht, auch nicht mit KI.

Ohne Attribute gibt es keine Felder zum Auslesen. Ohne einheitliche Layer und Blocknamen gibt es keine verwertbare Tabelle. Eine Zeichnung, in der jeder etwas anders benennt, lässt sich weder durch ein Skript noch durch eine KI auswerten.

Bei Automatisierung geht es deshalb weniger um das Zeichnen selbst als um die Anreicherung der Zeichnung mit Daten und um die Weiterverarbeitung dieser Daten. Wer die klassischen Werkzeuge noch nicht ausschöpft, kann von KI nicht profitieren.

Die DWG-Datei als Datenbank

Hinter jeder DWG-Datei steckt eine Datenbank. Linien, Blöcke, Attribute, Layer und Bemaßungen sind strukturierte Daten. KI kann diese Daten lesen, ganz ohne CAD-System dazwischen.

Als STEP-Datei lassen sich Bauteilgeometrien und Maße exportieren und maschinell auslesen. Als CSV lassen sich Attributdaten extrahieren, filtern und verändern. Anschließend importiert man das Ergebnis zurück in die Zeichnung. Für uns Menschen ist eine grafische Oberfläche zum Anklicken angenehmer. Eine KI durchsucht dagegen eine kilometerlange CSV in Sekunden und ändert darin genau das Gewünschte.

Unser Bauteilkatalog ist auf diesem Weg entstanden. Er liest die Größen aus den Dateien und zeigt eine filterbare Übersicht aller Bauteile. Kein Mensch hat dafür Werte abgetippt.

Grafische Darstellung und Datenbestand gehören getrennt gedacht. Eine Zeichnung ist eine von mehreren Darstellungsformen desselben Datenbestands. Stile, Plankopfregeln und Beschriftungsvorlagen sind nichts anderes als Automatisierung, und die gibt es in CAD seit Jahrzehnten.

Der entscheidende Irrtum bei der KI-Nutzung

Verbreitet ist die Annahme, man chatte mit einer KI und arbeite dann gemeinsam an einer Aufgabe. Tatsächlich läuft es anders herum. KI produziert Werkzeuge, und mit diesen Werkzeugen arbeitet man selbst weiter.

Von Entwässerungsplanung versteht eine KI nichts. Sehr gut kann sie dagegen einen einmal definierten Standard beliebig oft identisch umsetzen. Genau deshalb steht am Anfang die Standardisierung des eigenen Ablaufs und nicht die erste Frage im Chatfenster.

KI-Funktionen der CAD-Software als Ergänzung

Die Hersteller bauen KI-Methoden inzwischen direkt in die Befehle ein. In BricsCAD V26 finden sich mehrere solcher Funktionen, von der Geometriebereinigung bis zur automatischen BIM-Klassifizierung. Die einzelnen Befehle sind im Beitrag über die KI-Funktionen in BricsCAD V26 beschrieben.

Für die Prozessfrage ändern diese Befehle wenig. Sie beschleunigen einzelne Handgriffe und ersetzen keine Entscheidung darüber, wie im Betrieb gearbeitet wird. In einem Datenbestand ohne Struktur laufen sie ins Leere.

Agentische KI und die Frage der Berechtigungen

Zwischen einem Chatfenster und einem agentischen System wie Claude Code liegt ein großer Unterschied. Ein agentisches System liest Dateien, ändert sie und führt Befehle aus. Das ist mächtig und gleichzeitig der Punkt, an dem es um IT-Infrastruktur geht.

Manche installieren die Desktop-App und geben ihr Zugriff auf alle Bereiche des Rechners, um dann spontan Aufgaben erledigen zu lassen. Das ist nicht professionell. Ohne klar definiertes Regelwerk und ohne klar umrissene Aufgabe stöbert ein solches System in Bereichen, die niemanden etwas angehen, ändert nachträglich an Projekthistorien etwas oder verwechselt Kunden und Aufträge.

Dem Praktikanten gibt man auch nicht den Generalschlüssel zum Unternehmen. Man richtet Zugänge ein für bestimmte Personen, bestimmte Aufgaben, bestimmte Bereiche und bestimmte Zeiten. Sonst bräuchte niemand mehr Türen.

Für agentisches Arbeiten sind also Berechtigungskonzepte, saubere Projektstrukturen und dokumentierte Regelwerke nötig. Das ist eine bewusste Entscheidung für eine professionelle IT-Infrastruktur, mit dem entsprechenden Aufwand an Ressourcen und Know-how.

Eigene Infrastruktur oder fertige Werkzeuge

An dieser Stelle steht eine Entscheidung an. Entweder man baut sich diese Infrastruktur selbst auf und beherrscht sie, oder man lässt sich Werkzeuge maßschneidern und setzt diese ein.

Ein fertiges Werkzeug bringt genau das mit, was ein freilaufendes KI-System vermissen lässt. Es hat eine klar umrissene Aufgabe, ein festes Regelwerk und klar abgegrenzte Zugriffe. Es tut jedes Mal dasselbe und nichts daneben. Und es verbraucht keine Tokens.

Ob man den Aufbau selbst wagt oder die Entwicklung an jemanden mit Erfahrung abgibt, kann jeder Betrieb für sich einschätzen. Beides ist ein gangbarer Weg.

Der sinnvolle erste Schritt zur KI-gestützten Automatisierung im CAD

Wer mehr automatisieren möchte, beginnt bei seinen eigenen Prozessen. Vier Schritte führen dorthin.

1. Wiederholungen identifizieren

Welche Arbeitsschritte tauchen in jedem Projekt wieder auf? An welcher Stelle werden dieselben Angaben immer neu eingetippt? Wo entstehen regelmäßig Fehler, weil jeder es etwas anders macht? Diese Bestandsaufnahme kostet ein paar Stunden und bringt meistens mehr Klarheit als jedes Werkzeug.

2. Standards aufbauen und pflegen

Vorlagen, Layerstruktur, Blocknamen und Attribute werden festgelegt und dokumentiert. Ab hier liegen Daten in einer Form vor, die sich maschinell auswerten lässt. Ohne diesen Schritt bleibt jeder weitere wirkungslos.

3. Das passende Werkzeug wählen

Erst nach den ersten beiden Schritten stellt sich die Frage nach dem Weg. Für viele Aufgaben reicht ein LISP-Werkzeug völlig aus. Manchmal ist eine Datenverknüpfung über CSV oder STEP der bessere Weg. Und manchmal braucht es eine KI-gestützte Auswertung. Die Antwort hängt am konkreten Prozess und nicht an der Technik.

4. Werkzeuge einsetzen statt Aufgaben delegieren

Am Ende steht ein Werkzeug im Ablauf, das jedes Mal gleich arbeitet. Der Schritt läuft ohne weiteres Zutun und ohne dass jemand eine Aufgabe neu beschreiben muss. Genau hier entsteht der Produktivitätsgewinn, von dem alle sprechen.

Fertige Werkzeuge für wiederkehrende CAD-Aufgaben stehen unter cad-basis.de/cad-tools bereit.

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Automatisierung im CAD lohnt sich. Die Frage ist, an welcher Stelle. Eine Massenermittlung per Knopfdruck oder eine 360° Rundumsicht funktioniert nur mit sauber hinterlegten Daten. Der Automatisierungs-Check zeigt, wo in Ihrem Büro der größte Hebel liegt und welche Werkzeuge Handarbeit ersetzen können.

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