BricsCAD V26 wirbt mit KI. Die naheliegende Erwartung dabei ist ein Chatfenster, in das man die Aufgabe eingibt, woraufhin eine fertige Planung entsteht. So weit ist keine CAD-Software. Was BricsCAD V26 stattdessen mitbringt, sind KI-Methoden in einzelnen Befehlen. Einiges davon gab es in ähnlicher Form schon früher und arbeitet jetzt deutlich treffsicherer.
Der KI Assist als interaktive Hilfe
Der KI Assist ist eine interaktive Dokumentationshilfe. Er erkennt den aktuellen Befehl und zeigt sofort die passende Beschreibung. Die Inhalte entsprechen weitgehend der Bricsys-Onlinedokumentation, die Suche darin ist etwas vereinfacht.
Für den Einstieg und für Gelegenheitsanwender spart das den Weg zur Onlinehilfe und damit eine Unterbrechung im Arbeitsfluss. Wer täglich im Programm arbeitet, wird ihn nach einiger Zeit kaum noch brauchen. Ein Werkzeug zur Automatisierung ist er nicht.
Ungenaue Geometrie bereinigen mit OPTIMIEREN
Zeichnungen aus PDF-Import, Vektorisierung oder alten Datenbeständen sind selten sauber. Linien stehen um Bruchteile eines Grads schief, und Ecken schließen nicht. Schraffuren und Konturen scheitern dann an winzigen Lücken.
OPTIMIEREN findet diese Ungenauigkeiten und korrigiert sie in einem Durchgang. Jede Korrektur bekommt ihre eigene Toleranz, von der Lückenschließung über T-Verbindungen bis zur Ausrichtung fast waagrechter Linien. Mit eingeschalteter Live-Rückmeldung zeigt das Panel schon beim Einstellen, welche Objekte betroffen sind und wie viele es sind.
Die Schaltfläche Auswahl beibehalten beendet den Befehl ohne Änderung und lässt die gefundenen Objekte ausgewählt. So lassen sich ungenaue Linien gezielt prüfen oder auf einen eigenen Layer legen.
Struktur zurückgewinnen mit BLOCKIFY
Fremdzeichnungen enthalten oft zerlegte Blöcke. Jede Tür, jede Schraube und jeder Stuhl besteht dann aus losen Linien.
BLOCKIFY sucht gleiche Gruppen von Objekten und ersetzt sie durch Blockreferenzen. Neben dem Vergleich mit einem ausgewählten Muster arbeitet der Befehl auch gegen vorhandene Blockdefinitionen oder gegen eine Blockbibliothek in einem Ordner. Versehentlich zerlegte Blöcke lassen sich damit wiederherstellen, und Fremdzeichnungen lassen sich auf die eigenen Normteile umstellen.
Ein eigener Modus findet Sammlungen, also wiederkehrende Gruppen aus mehreren Blöcken. Ein Tisch mit vier Stühlen ist das typische Beispiel. Die Zeichnung bekommt ihre Struktur zurück, und die Datei wird kleiner.
Details übertragen mit KOPIERENGEFÜHRT
Ein Fenster in einer Wand oder ein Anschluss an einem Profil besteht aus dem Detail selbst und der Geometrie rundherum.
KOPIERENGEFÜHRT nutzt diese umgebende Geometrie als Führung. Beim Platzieren der Kopie sucht BricsCAD passende Linien und richtet das Detail daran aus. Eingerastet wird nur dort, wo Anzahl und Abstand der Linien passen. Ein Fenster aus einer 36,5 cm dicken Wand rastet also nicht in einer 24 cm dicken Wand ein. Drehen und Nacharbeiten entfällt.
Häufig gebrauchte Details lassen sich als Block mit Referenzkurven speichern und rasten beim Einfügen genauso ein. In 3D übernimmt KOPIERENGEFÜHRT3D dieselbe Arbeitsweise mit Flächen statt Kurven.
Gleichartige Objekte finden mit SELECTSIMILAR
SELECTSIMILAR wählt ausgehend von einem Beispielobjekt alle gleichartigen Objekte der Zeichnung aus. Welche Eigenschaften übereinstimmen müssen, wird einmal eingestellt und in einer Systemvariablen gespeichert.
Alle Texte eines Textstils oder alle Einfügungen eines Blocks sind damit mit einem Klick gewählt und stehen für den nächsten Befehl bereit, etwa zum Ändern im Panel Eigenschaften oder zum Umlegen auf einen anderen Layer.
Automatische Klassifizierung mit BIMify
BIMify erkennt Strukturen in einer Zeichnung und klassifiziert sie automatisch als Bauteile. Wände, Decken und Stützen bekommen ihre Rolle im Modell zugewiesen, ohne dass jemand jedes Element einzeln benennt.
Das funktioniert erstaunlich gut und ist die Funktion mit dem größten Zeitgewinn im Paket. Sie setzt allerdings voraus, dass im Betrieb überhaupt modellorientiert gearbeitet wird.
Punkte und Strukturen in Punktwolken
Im Civil-Bereich gibt es Funktionen zum Auffinden von Punkten und Strukturen in Punktwolken. Aus dem Scan einer Bestandssituation entstehen damit auswertbare Geometrien statt einer Wolke aus Millionen Einzelpunkten. Für Vermessung und Tiefbau ist das der interessanteste Teil der Version.
Lizenzstufen und Verfügbarkeit
Nicht alles steht in jeder Lizenz zur Verfügung. Die 3D-Anteile der genannten Befehle fehlen in BricsCAD Lite, weil sich Volumenkörper dort nicht bearbeiten lassen. BIMify und die Punktwolkenfunktionen setzen eine höhere Lizenzstufe voraus.
Wer die Funktionen ernsthaft nutzen möchte, klärt die passende Stufe deshalb vor dem Kauf. Der Sprung lohnt sich nur, wenn die Funktionen auch in einen vorhandenen Ablauf passen.
Die Einordnung der KI-Funktionen in BricsCAD V26
Diese Befehle beschleunigen einzelne Handgriffe, und zwar spürbar. Eine Fremdzeichnung aufzuräumen dauert mit OPTIMIEREN und BLOCKIFY einen Bruchteil der Zeit. Das ist ein echter Gewinn für jeden, der regelmäßig fremde Dateien übernimmt.
Eine Prozessentscheidung ersetzen sie nicht. In einem Datenbestand ohne einheitliche Layer, Blocknamen und Attribute laufen sie ins Leere, und die eigentlichen Produktivitätsgewinne entstehen weiterhin dort, wo Abläufe standardisiert und wiederholbar gemacht werden. Wie dieser Weg aussieht, steht im Beitrag über den Einstieg in Automatisierung und KI im CAD.
Wer BricsCAD V26 testen oder die passende Lizenzstufe klären möchte, findet die Übersicht unter cad-basis.de/bricscad-lizenz.




